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Die Ballade von Döllersheim
Wilhelm Szabo
Gelesen von Kammerschauspieler Walter Reyer am 11. Juni 1988 im Schüttkasten Allentsteig
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Ihr Leute, ein Lied laßt uns singen von den Dörfern um Döllersheim. Bald wird sie die Wildnis verschlingen. Hat niemand mehr Hof dort und Heim.
Sind verzogen mit Hab und Gesinde, die karg hier der Boden genährt, gewandert in alle Winde. Gott weiß, wo ein jedes nun fährt.
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Und das war anno achtunddreißig, im März, als fiel unser Land, und das Reisiggrün war noch nicht schleißig,
gepflückt, zu bekränzen die Schand. Da hob sich wo auf eine Kunde, und schwirrte dorfein, dorfaus, da ging es von Mund zu Munde: Wir müssen von Hof und Haus.
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Sie jagen uns von unsern Huben,
ein Lager zu schaffen dem Heer. Und der Kummer zog ein in die Stuben, der Gram mit der traurigen Mär. Und die Weiber, die Kinder flennten, und Bauer und Keuschler im Bund
murrten und schworen, sie trennten sich nicht von der Altvordern Grund.
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Und knotzten herum in den Schenken unschlüssig, Hofherr und Knecht, statt feldwärts die Schritte zu lenken,
und gröhlten von Brauch viel und Recht. Und dämpften mit lautem Gesange ihr Weh und ersäuftens im Wein, und fügten sich kleinlaut dem Zwange am Ende und wagten kein Nein.
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O du heilige Stille der Dörfer,
zerrissen, geschändet, entweiht vom Brüllen der Flammenwerfer, von Kampflärm! O Einsamkeit der Fluren, belauscht sonst vom Pflüger, nun dreist ins Getümmel verkehrt,
das wüste, von Troß und Krieger und mörderischem Gefährt!
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All ihr Flecken, ihr einsamen Weiler,
in die Mulden des Hochlands geduckt, nun verwandelt in rauchende Meiler, Getrümmer, von Glutschein umzuckt! Anklagte geborstnes Gemäuer, Herberg dem Kauze, dem Mond,
und giebellos Wohnstatt und Scheuer, von Beifuß und Nessel bewohnt
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Und das Dickicht schlug drüber zusammen.
Der Schwamm fraß, der Schimmel, der Rost. Was schonten Geschosse und Flammen, Wind tilgt es und Regen und Frost. Der Urwuchs erwacht auf den Böden.
Verwunschen sind Stätte und Ort. An vierzig Gemeinden veröden. Die Namen nur tönen noch fort.
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Nicht lang, und auch sie sind verklungen.
Kein Vers bewahrt sie, kein Reim. Drum sei uns dies Lied gesungen von den Dörfern um Döllersheim. Als Kunde. Zur Mahnung den Spätern, zu hüten teuerstes Pfand
und zu dulden nie mehr, was den Vätern Heimat einst raubte und Land.
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