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Wenn Sie Döllersheim besuchen möchten, ist es vielleicht nützlich, diesen Kurzführer auszudrucken und mitzunehmen.

Döllersheim   hat immer geöffnet.
7 Tage die Woche, 24 Stunden.


Anreise nach Döllersheim
Döllersheim liegt etwa 110km nordwestlich von Wien, mitten im Waldviertel, ca. 10km südlich von Allentsteig. Sie erreichen den Ort von Norden über Allentsteig. Von Wien kommend über die B4 bis Horn, Abzweigung B38 Richtung Zwettl und kurz vor Schloß Ottenstein Abzweigung Richtung Allentsteig, ca. 3km. Von Krems im Süden oder von Zwettl im Westen kommend auf B37 bis Rastenfeld Abzweigung Richtung Horn, knapp 2km nach der Staumauer Ottenstein Abzweigung nach links Richtung Allentsteig, ca. 3km.

 

Kurzgeschichte
Döllersheim ist eine der ältesten Siedlungen des Waldviertels: der Ort wird bereits 1143, also 5 Jahre nach der Gründung von Stift Zwettl und ein Jahr vor der Gründung von Stift Altenburg, in einer Urkunde genannt. Schon im Mittelalter im Besitz des Marktrechts, war Döllersheim mit Pfarrkirche, Schule sowie zahlreichen Gewerbetreibenden der Zentralort für die Versorgung der umliegenden Dörfer. Döllersheim gehörte zum Besitz der Herren von Ottenstein. Beweis für den hohen Stand des Gewerbes ist der Bau der barocken Schloßkapelle (1680) im Schloß Ottenstein durch Georg Wolf und Christoph Magloth aus Döllersheim.

Die Pfarre zu den hl. Aposteln Petrus und Paulus war wahrscheinlich eine Gründung der Herren von Ottenstein aus dem 13. Jahrhundert. 1426/27 wurden Kirche und Ort von den Hussiten zerstört und verbrannt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Döllersheim überwiegend protestantisch, während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gegend 1619/1620 erneut von Landsknechten heimgesucht. Der Markt brannte ab, der Kirche wurden die Meßkleider, sogar die Glocke und das Eisen aus der Uhr gestohlen. Zwischen 1684 und 1686 wurde in Döllersheim auch eine aus Babylonien stammende türkische Familie mit einem 12jährigen Mädchen getauft, die 1683 bei der Türkenbelagerung vor Wien in Gefangenschaft geraten war, als Schloßdiener in Waldreichs Deutsch lernte und die christliche Religion annahm. Aus Döllersheim stammten nicht wenige Geistliche, die als Priester, Ordensmänner und -frauen u.a. auch in der Mission in Afrika wirkten.

Die Schule (der mehrmals erweiterte Bau stand in unmittelbarer Nähe zur Kirche) ist in Döllersheim ab 1580 urkundlich nachweisbar, dürfte jedoch weit älter sein. 1887 wurden 141 Knaben und 162 Mädchen in drei Klassen unterrichtet, in der Herkunft der Lehrer – u.a. Lemberg und Troppau – spiegelt sich die Donaumonarchie wider. Aus Döllersheim stammt auch der älteste nachweisbar aus dem Waldviertel stammende Komponist [weltlicher Musik] des Waldviertels, Georg Honorius Freitag (1696 – 1729).
Er erlangte den bedeutenden Posten des Melker Stiftsorganisten, seine Cäcilien-Messe erfreute sich noch 60 Jahre nach seinem Tod einiger Beliebtheit, im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien wird ein aus seiner Feder stammendes Requiem verwahrt.

In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte in dieser Gegend eine vermutlich sehr arme Frau namens Maria Anna Schickelgruber. 1796 wurde sie in Strones nur unweit von Döllersheim geboren und ist - noch recht jung - am 7. Jänner 1847 im Alter von 50 Jahren in Klein-Motten verstorben. Begraben wurde sie im Pfarrort Döllersheim. Am 7. Juni 1837 gebar sie in Strones Nr. 13 einen unehelichen Sohn namens Alois, den Vater Adolf Hitlers. In der NS-Zeit wurde das Döllersheimer Ländchen als Ahnengau des Führers gefeiert, Hitler-Eichen wurden gepflanzt, der Führer mit Ehrenbürgerschaften geehrt. Kurz nach der Okkupation Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland wurde in diesem Gebiet durch Zwangsentsiedlung der Truppenübungsplatz Döllersheim (heute Allentsteig) angelegt. Über die Frage, ob Hitler damit Unklarheiten in seiner Ahnengeschichte verschleiern wollte (er war unsicher, ob er nicht selbst einen jüdischen Großvater hatte), herrscht nach wie vor Uneinigkeit unter den Historikern.

Aussiedelung
Nach mehr als 800 Jahren wechselhafter Geschichte wird die Pfarre Döllersheim durch das NS-Regime wegen der Errichtung eines Schießplatzes für die Deutsche Wehrmacht ausgelöscht.

Insgesamt 2.002 Menschen aus 419 Häusern wurden von 1938 – 1940 zwangsentsiedelt. Altes österreichisches Bauernland mit den Orten Döllersheim, Dietreichs, Söllitz, Heinreichs, Nieder-Plöttbach mit Fürnkranzmühle, Führerhof und dem Maderhof, Brugg, Flachau mit Bruggmühle, Steinmühle, Kernhäuser und Reithof, Waldreichs mit Patzlmühle, Loismühle, Schloteinmühle und der Josefinenhütte, Strones, Klein-Motten, Zierings und Schloß Ottenstein wurden in ein Sperrgebiet zur Kriegsvorbereitung verwandelt.

Teile der Pfarre Döllersheim wurden bereits in der ersten Etappe zur Errichtung des Schießplatzes entsiedelt, der Räumungstermin für Döllersheim und Franzen ist der 31. Dezember 1940. Von 1940 bis 1942 war Döllersheim zum Großteil von Zweitsiedlern bewohnt – von Zwangsaussiedlern, die mit ihrer Ablösesumme keine neue Heimat mehr finden konnten. Die Volksschule in Döllersheim war schon im Juli 1941 geschlossen worden. Die Kinder mußten nun in die Volksschule nach Franzen gehen. Am 30. September 1942 mußte Döllersheim endgültig entsiedelt sein. Das letzte Begräbnis fand statt, als die Pfarre schon seit 28 Tagen aufgelöst und entsiedelt war – vermutlich ein gespenstisches Szenario.

Döllersheim nach dem Krieg
Karl Fröschl kam 1942 als Dreißigjähriger nahezu erblindet aus dem Krieg nach Hause. Döllersheim war zu dieser Zeit total entsiedelt. Die Fenster seines Hauses waren mit Brettern vernagelt, Blumenstöcke waren darauf gezeichnet. In Döllersheim war nicht einmal eine Katze.

Zu Kriegsende war Döllersheim noch weitgehend intakt, ein russischer Pope konnte dort kurz vor Kriegsende einen Gottesdienst feiern, 1947 hing sogar die Glocke noch im Turm der Kirche. Ab 1946 wurde das Inventar der Kirche - darunter auch die Kanzel - gestohlen bzw. von russischen Besatzungssoldaten als deutsches Eigentum verschachert. Die Kircheneinrichtung wurde bald nach dem Krieg durch Granaten und Plünderer verwüstet, aus Orgelpfeifen wurden Dachrinnen gemacht. Zivilisten haben auch hier eine traurige Rolle gespielt: das Dach der Kirche wurde nach 1950 (!) abgetragen, das Turmdach 1952. Fast alle Priestergewänder, kirchlichen Gefäße und Geräte, die Matrikenbücher und Archivalien der ehemaligen Pfarre Döllersheim wurden nach Rastenfeld gebracht und werden vom dortigen Pfarramt betreut.

Verdienste um die Erhaltung von Kirche und Friedhof in Döllersheim hat sich RegR Ing. Heinrich Stangl, der ehemalige Leiter der Bundesbaudirektion Wien - Gebäudeverwaltung Allentsteig, als Obmann des Vereins Freunde der Alten Heimat erworben.

1981 wurden Friedhof und Kirche aus dem Sperrgebiet herausgenommen, die Kirche erhielt ein einfaches Dach und wurde damit vor dem weiteren Verfall geschützt. Am 13. September 1986 erteilte ihr Bischof Dr. Franz Zak die einfache kirchliche Weihe, sie erhielt den Namen Friedenskirche , bleibt jedoch weiterhin unter dem Patronat der Apostel Petrus und Paulus. Seither wurden einige Gottesdienste gefeiert. Im Mai 1988 fand in der Friedenskirche Döllersheim im Gedenken an den 50. Jahrestag des Beginns der Aussiedelung ein ökumenischer Gottesdienst unter dem Leitthema Vertrieben - nie wieder! mit Vertretern verschiedener Kirchen und Religionsgemeinschaften im TV live übertragen.

1992 glaubte das Bundesheer im Inneren der Friedenskirche Döllersheim eine Angelobung abhalten zu müssen, was zu Verstimmung in der Bevölkerung am Rande des Schießplatzes führte.

In der Zeit um 1980 dienten die Ruinenorte des Aussiedelungsgebiets mehrmals als Filmkulisse, z.B. in Holocaust. In dem Kriegsfilm Steiner - Das Eiserne Kreuz II (1978) ist Döllersheim wiederholt von Süden her zu sehen, der ehemalige Pfarrhof wurde als Unterstand für Maschinengewehre ins Bild gesetzt.

Beginnende Wiederbesiedelung, Rückstellungsgesetze und späte symbolische Entschädigung
1945/46 war die Wiederbesiedlung des entsiedelten Gebietes eingeleitet worden. Die Beschlagnahme des Areals durch die russischen Besatzungstruppen im Juli 1946 bedeutete deren jähes Ende. Aufgrund der Rückstellungsgesetze für ehemals deutsches Eigentum reichten die Aussiedler 1948 sogenannte Rückstellungsanträge ein, denen in 1. Instanz rechtgegeben wurde. Nach Abzug der Besatzung begann neuerlich die Diskussion über Wiederbesiedlung oder alternative Nutzung des nunmehr devastierten Schießplatzes. Am 10. Juli 1957 wurde das 3. Staatsvertragsdurchführungsgesetz erlassen: damit wurde trotz höchstrichterlicher Erkenntnis und obwohl Österreich nicht Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches war, die Rückstellungspflicht aufgehoben und das ehemals Deutsche Wehrmachtseigentum von Döllersheim zugunsten der Republik eingezogen. Bereits 2 Monate zuvor war das Areal des Truppenübungsplatzes (möglicherweise als Nachwirkung der Ungarnkrise von 1956) dem österreichischen Bundesheer übergeben worden...

Erst im Gedenkjahr 50 Jahre 2. Republik 1995 erhielten (die noch lebenden) Aussiedler eine eher symbolische Entschädigung von S 70.000,- (rund 5.000,- €).

Was sieht man heute in Döllersheim?
Das heutige Aussehen von Döllersheim erinnert an alte südamerikanische Indianerkulturen, die vom Dschungel verschluckt wurden. Von den meisten Häusern und Bauernhöfen stehen nur noch mehr oder weniger karge Reste, über die dichte Vegetation gewachsen ist. Der Hauptplatz von Döllersheim ist kaum noch als solcher erkennbar – es ist die breite, oft auch als Parkplatz verwendete Wegeinmündung nahe des asphaltierten Aufgangs zur Friedenskirche Döllersheim.

Die Pfarrkirche Döllersheim
Wenn Sie heute auf die Anhöhe mit der Kirche, dem Ausläufer des Donaberges, hinaufsteigen, finden Sie zunächst rechts einen Brunnen mit einer Florianistatue, dahinter die Reste des Pfarrhofes (hier befindet sich auch eine Toilette). Linkerhand befinden sich ansehnliche Mauerreste der Schule, auf einer kleinen Fläche bietet sich ein schöner Blick über die von dichter Vegetation überdeckten Ruinen von Döllersheim – eine Steintafel im Boden erinnert an Die alte Heimat. Die Kirche selbst ist als Torso erhalten. Der Turm stammt aus romanischer Zeit (spätestens um 1200) Das Südschiffes ist ein Überbleibsel der 1377 erbauten Nikolauskapelle. Das heutige Langhaus, die spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit dem bedeutend überhöhten Altarraum, wurde nach dem Hussiteneinfall des Jahres 1427 erbaut. Drei schmale hohe Spitzbogenfenster sowie fünf spitzbogige Stichkappen charakterisieren den Altarraum bis heute. Die nach dem Krieg verwüstete und geplünderte Kirche erhielt in den 1980er Jahren wieder ein Dach, 1986 erteilte ihr der St. Pöltner Bischof Dr. Franz Zak die einfache kirchliche Weihe, sie erhielt den Namen Friedenskirche.
Durch das Gittertor können Sie einen Blick in das Kircheninnere werfen, bei der Allerseelenfeier können Sie die von der Bundesbaudirektion verwaltete Kirche auch betreten – sonst ist dies eher schwierig. Es versteht niemand so recht, warum die Kirche z.B. im Sommer, wo doch viele Besucher hierher kommen, nicht offen ist.

Der Friedhof in Döllersheim
Die Toten sind die einzigen, die in Döllersheim bleiben durften. Auf dem Friedhof in Döllersheim, der sich an die Nordmauer der Kirche anschließt, wurden bis zum Jahre 1942 mindestens 25.000 Menschen bestattet. In den Sterbebüchern der Pfarre Döllersheim (erhalten: 1654 – 1942) sind die Namen von 15.225 Menschen verzeichnet. Zur Pfarre Döllersheim gehörten 419 Häuser, noch heute gibt es mehr als 360 Grabstellen. In der Besatzungszeit wurden Grabsteine und Kreuze fortgeschleppt, der Friedhof verwilderte. Seit 1957 hilft das Bundesheer, die Gräber zu pflegen. 97 Gräber tragen Tafeln oder Steine mit Inschriften (fast alle sind lesbar), sie bewahren das Andenken an Bewohner aus allen – heute zerstörten – Ortschaften der Pfarre. In der Nordostecke des Friedhofs liegt die Grabstätte des Heinrich Graf Lamberg und seiner Gattin Gräfin Eleonore, geborene Prinzessin zu Schwarzenberg. Graf Lamberg war Geheimer Rat, General der Kavallerie und bis zu seinem Tod 1929 Besitzer des Schlosses Ottenstein. Der Karner auf dem Friedhof war bereits 1802 abgerissen worden. Nach Überwindung großer Widerstände wurde Karl Fröschl, seinem Wunsch entsprechend, als bislang letzter Döllersheimer 1992 auf dem alten Friedhof bestattet.

1984 schrieb mir Hofrat Dr. Wilhelm Sekyra OSB, im 65. Priesterjahr und im 90.(!) Lebensjahr stehend, in einem handschriftlichen Brief an Pfarrer Johannes Müllner: Mein Vater - Ludwig Sekyra, Landwirt - wurde als letzter nach Jahrhunderten am 28. 10. 1942 im Friedhof zu Döllersheim beerdigt. Konzelebrierende Priester waren: Prior P. Joseph Leutgeb SOCist (Stift Zwettl) und der Pfarrer von Rastenfeld, später Dompfarrer in St. Pölten, Ledl. Ich selber habe in der intakten Pfarrkirche am folgenden Tag die hl. Seelenmesse für meinen verstorbenen Vater (Priestervater!) gefeiert. Auf seinem Grab steht die Fichte, die damals als kleines Bäumchen auf sein frisches Grab gesetzt wurde. Es grüßt und segnet Sie ...
P. Dr. Wilhelm Sekyra OSB

Allerseelenfeier der Aussiedler
Alljährlich am 2. November, jeweils 13.30 Uhr, findet in Döllersheim die Allerseelenfeier der Aussiedler statt. Zelebriert wird der Gottesdienst von den Äbten der benachbarten Stifte und Priestern der umliegenden Pfarren, im Millenniumsjahr kam sogar der Diözesanbischof. Jedes Jahr kommen zu diesem Gottesdienst hunderte Besucher in die Friedenskirche Döllersheim – Aussiedler, ihre Nachkommen und Bewohner der Region. Immer wieder erklingt an diesem Tag die am 2. November 1989 uraufgeführte Döllersheimer-Messe von Herbert Loskott.

Das Spital
Auf der Straße weiter in Richtung Allentsteig befindet sich das Spital in Döllersheim. Es war für Untertanen der Herrschaft Ottenstein – bestand seit 1592 und war damit eines der ältesten Spitäler im Waldviertel. Dieses Spital wurde als gleichschenkeliges Kreuz errichtet, dessen zweigeschossiger, quadratischer Mittelblock die Kapelle enthielt. Unter Kaiser Joseph II. wurde die Spitalskapelle 1786 aufgelassen, 1804 brannte das Spital ab, wurde aber in der alten Form wiederhergestellt.

Von dem umlaufenden Gang aus, der zu den Zimmern der Patienten führte, konnten diese durch Fenster am Gottesdienst teilnehmen. In den vier Winkeln der Umfassungsmauer befand sich je ein Gärtchen. Es war dies ein ehemals seltener Bautyp eines Gebäudes zur Aufnahme sozialer Einrichtungen. Eine architektonische Parallele, allerdings größer dimensioniert, findet sich z.B. im Ospedale Maggiore (Großes Krankenhaus) von Mailand, das heute die Universität beherbergt.

Hier abgebildete Fotos sind aus den Jahren vor 1938 - heute sieht Döllersheim etwas anders aus.

Mehr zu diesem Thema und zum Schicksal des entsiedelten Gebietes finden Sie in dem Buch von Pfarrer Johannes Müllner, Die entweihte Heimat. Ein Stück Österreich, das nur wenige kennen. Zwangsentsiedelt, verwahrlost, zerstört, gesperrt, das zum Preis von EURO 35,- (ATS 490,-) zuzügl. Versandspesen unter +43 (0)2984-3495 oder per Mail: mail: Pfarrer.Muellner@aon.at erhältlich ist.

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... und über das Gebiet rund um Döllersheim:
www.allentsteig.at   www.walthers.at
 

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