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Sonderausgabe Nr. 1

Ende Juli 2002 wurde die Kirchenruine Edelbach mit Planier-Raupen zur Gänze zerstört. Wer hat die Schleifung der – im Sperrgebiet befindlichen – Kirchenruine angeordnet? Wer hat seine Unterschrift unten den Befehl gesetzt?

Entweihte Heimat Edelbach: Von dem 750 Jahre alten Gotteshaus mit wertvollem gotischen Bauelementen zeugt seit dem Sommer 2002 nur noch ein Haufen zermalmter Steine.

Es heißt, daß das Areal für die Übungen des Bundesheeres nötig sei. Jetzt üben Panzer auf dem Steinhaufen und dem umliegenden Friedhof das Bergauf- und Bergabfahren.

Jahrelang mahnte und forderte Pfarrer KR Johannes Müllner, die Mauern des Presbyteriums fachgerecht abzubauen und die von Steinmetzen bearbeiteten Kalksandsteine wieder aufzubauen, sowie alle damals noch stehenden Mauern zu konservieren. Die Bitten des Priesters blieben ungehört – auch bei hohen Kirchenmännern. Ende Juli 2002 wurden sämtliche Kirchenmauern mit Planierraupen abgebrochen.

Die ehemalige Pfarrkirche von Edelbach war im Frühjahr 1958 in einem Zustand, dass die jungen Rekruten darin schlafen(!) konnten. Das bezeugten gegenüber Pfarrer Müllner 2 ehemalige Soldaten: Herr Alfred Tesar sowie sein Freund Herr Karl Gungal.*

 1938 1976 1984

Beide sind der Meinung, die Kirche hätte gerettet werden können, wenn damals das Dach gründlich repariert worden wäre! Statt der Dachreparatur kam Oberst Kupski mit seiner ABC-Schule und ließ die Südmauer abtragen. Das Material brachten sie nach Wien.** Durch diese Untat bestand für die Kirche in Edelbach Einsturzgefahr! 1979 stürzte der Kirchturm in sich zusammen.

Pfarrer Müllner erhielt auch vom Milizoffizier Martin Steiner die Information, er hätte als Rekrut mit seinen Kameraden in der Kirche in Edelbach noch schlafen müssen, als die Südmauer längst abgetragen war. Martin Steiner ist heute als Priester Militärseelsorger.***

Im Jahre 1258 (!) wurde die Pfarrkirche zum hl. Stephan in Edelbach an der Stelle einer älteren Kapelle erbaut, sie gehörte zum Stift Zwettl. Im Sommer 1938 wurde die Pfarre gemeinsam mit Groß-Poppen durch das NS-Regime entsiedelt – als erste Orte des Waldviertels, für die Errichtung eines Schießplatzes der deutschen Wehrmacht. In den Jahren nach 1947 wurde sie durch einen Granattreffer der russischen Besatzungsarmee und Entnahme von Baumaterial schwer beschädigt.


        
´Schauplatz Edelbach´: Die Steine der Giebelmauer, der nördlichen Langhausmauer und des Triumphbogens. Mit dem Altarraum war die Kirche 25 Meter lang.
Links: Bearbeitete Steine vom spätgotischen Altarraum. Mittleres Bild: Wertvolle Steine vom spätgotischen Presbyterium. Rechts: Auf dem Friedhof wurden bis 1869 Angehörige der PfarreEdelbach bestattet, hier ruhen auch 6 preussische Soldaten, die 1866 der Cholera zum Opfer fielen. Heute fahren Panzer des österreichischen Bundesheeres über den Friedhof – im Bild Panzerspuren über die Westseite des alten Friedhofs.

Die Abtragung der Südmauer der Kirche von Edelbach durch die ABC-Schule des Bundesheeres war das Todesurteil für die ganze Kirche! Der Dachstuhl hatte dadurch an der Südseite zuwenig Verankerung. Das Langholz lag nur mehr auf dem Mittelpfeiler auf, der bis 2002 stehen bleiben durfte.

Der ganze Dachstuhl brach mitsamt den Biberschwanz-Ziegeln zusammen. Über die Art der Entsorgung wird geschwiegen (s. Abb. 46 im Buch: Die entweihte Heimat).


Der letzte Rest der 2002 zur Gänze zerstörten Kirchenruine von Edelbach von Norden gesehen – die Kastanienbäume stehen im alten Friedhof, der die Kirche umgab. Heute rollen hier Bundesheerpanzer – auch über den Schutthaufen des einstigen Gotteshauses.

Auch am spätgotischen Gewölbe des Presbyteriums waren ähnliche ´Fachleute´ am Werk. Der Kirchturm, der zuletzt nur an der Ostmauer des Presbyteriums verankert war, wurde seiner Fundamente beraubt. Er stand zuletzt nur mehr auf einem Holzbalken und etwas schief. Er stürzte im Oktober 1979 in einer Nacht auf einen Sonntag mit furchtbarem Getöse ein. Sein Baumaterial lag bzw. liegt noch immer im Altarraum. Der Turmhelm wurde bereits einige Jahre vorher seines Kreuzes beraubt. Er liegt heute noch im Langhaus der Kirche, wahrscheinlich wurde er Ende Juli 2002 von den zum Einsturz gebrachten Bausteinen ganz flach gedrückt


 ´Kriegsschauplatz Edelbach´: Wie nach einem Bombenangriff – Ziegel und Steine aus der Nordmauer der ehemaligen Pfarrkirche (Blickrichtung Nord-Osten). Foto 12.8.2002


Entweihte Heimat Edelbach: Steine und Traversen vom Triumphbogen und Altarraum. Den Triumphbogen zierte einst die Mandorla mit dem Jesuskind.


Entweihte Heimat Edelbach: Wertvolle Steine des Altarraums, gemeißelt in der Mitte des 13. Jahrhunderts, also vor 750 Jahren.

Johannes Müllner: ´Am 26.Oktober 1998 durfte ich nach einer Feier in Oberndorf mit ausdrücklicher Erlaubnis von Franz Teszar die Kirchenruine in Edelbach von innen und von außen fotografieren.´

Die Bilder vom ´Schauplatz Edelbach´, der im Sommer 2002 zur Gänze zerstörten Kirchenruine Edelbach, wurden am 12. August 2002 von Pfarrer KR Johannes Müllner, dem Autor des Buches ´Die entweihte Heimat´ aufgenommen.
 

* Herr Alfred Tesar, jetzt Tischler in Pension, wohnhaft in 1210 Wien, Koschiergasse 3, sowie sein Freund Herr Karl Gungal, wohnhaft in 3730 Eggenburg, Leinwandbleiche 5

** Das erfuhr Pfarrer Müllner von Oberst Franz Oberleitner, den er als Freund bezeichnete, am 20. August 1984 an Ort und Stelle in Edelbach. Der Originalton ist auf Tonband-Cassette vorhanden, der wörtliche Text ist unter www.doellersheim.at nachzulesen.

*** Information erhalten am Samstag, dem 8. Mai 1999